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Was Fehlerkosten im Bau wirklich kosten, und wo sie entstehen
26. Oktober 2026 Von Tijn Meijerink
Kurze Antwort. Fehlerkosten sind die Kosten, die in einem Bauprojekt durch Fehler, Missverständnisse oder fehlende Informationen entstehen, nicht durch das Bauwerk selbst. Laut einer Umfrage der niederländischen Bank ABN AMRO aus dem Jahr 2019 unter 151 Teilnehmern aus der niederländischen Bau- und Immobilienbranche schätzen fast 4 von 10 (39%) ihre eigenen Fehlerkosten auf 5% des Umsatzes oder mehr, 9% sogar auf 8% oder mehr. Sie entstehen in jeder Phase des Bauprozesses, werden aber vor allem in der Ausführung sichtbar. Der rote Faden ist immer derselbe: Informationen, die nicht zur richtigen Zeit bei der richtigen Person sind.
Was sind Fehlerkosten genau?
In den Niederlanden ist „faalkosten“ der gängige Baubegriff für Kosten, die nicht nötig gewesen wären, wenn ein Projekt auf Anhieb richtig ausgeführt worden wäre: Nacharbeit, Verzögerungen durch Missverständnisse, doppelte Arbeit wegen falscher oder veralteter Informationen und Streit über Nachträge sowie Mehr- und Mindermengen. ABN AMRO verwendet in ihrer Studie eine engere Definition: die zusätzlichen Kosten, um zu beheben, was nicht nach Spezifikation hergestellt wurde oder nicht den Erwartungen des Kunden entspricht.
Fehlerkosten sind kein fester Posten in der Buchhaltung. Unternehmen schätzen sie selbst, auf Basis dessen, was in der Praxis schiefgeht. Die Zahlen unten taugen deshalb als Richtung, nicht als exakte Messung.
Wie groß ist das Problem laut Forschung?
Die konkretesten Zahlen aus den Niederlanden stammen aus dem Bericht Verspilde moeite: over faalkosten in de bouwsector („Vergeudete Mühe: über Fehlerkosten in der Baubranche“) der ABN AMRO vom April 2019. Die Bank befragte 151 Personen aus der niederländischen Bau- und Immobilienbranche und sprach zusätzlich mit Fachleuten. Die Ergebnisse:
- 57% schätzen ihre eigenen Fehlerkosten auf weniger als 5% des Umsatzes.
- 39% schätzen sie auf 5% oder mehr.
- 9% aller Teilnehmer schätzen sie sogar auf 8% oder mehr.
- Von den Installationsbetrieben gehen 53% davon aus, dass ihre Fehlerkosten über 5% liegen.
- Von den Baustoffherstellern liegen 58% über 5%. Von den Hauptauftragnehmern schätzen dagegen 67% ihre Fehlerkosten auf unter 5%.
Ordnen Sie diese Zahlen richtig ein. Es sind Selbsteinschätzungen der Teilnehmer, aus einer Umfrage unter 151 Personen in den Niederlanden aus dem Jahr 2019. Es sind keine geprüften Zahlen und keine aktuelle Messung für die gesamte Branche. Sie zeigen aber gut, wie die Branche das Problem selbst einschätzt. ABN AMRO schloss daraus, dass sich die Fehlerkosten in der niederländischen Baubranche jährlich wahrscheinlich auf Milliarden Euro summieren. Für Deutschland enthält dieser Beitrag keine vergleichbare Umfrage. Die Ursachen, die wir im Folgenden beschreiben, sind aber keine niederländische Besonderheit.
Warum Installationsbetriebe ihre Fehlerkosten höher einschätzen
Installationsbetriebe arbeiten oft spät im Bauprozess. Fehler, Verzögerungen und Unklarheiten, die früher entstanden sind, in der Kalkulation, der Arbeitsvorbereitung oder auf der Baustelle, häufen sich bei ihnen, auch wenn der Installateur selbst nichts falsch gemacht hat. Hinzu kommt, dass die Technik, die sie einbauen, immer komplexer wird. Das ist auch die Erklärung der ABN AMRO.
Bemerkenswerterweise schätzen Baustoffhersteller ihre Fehlerkosten in derselben Umfrage noch höher ein. ABN AMRO nennt das auffällig, weil sie in einer Fabrik produzieren, also in einer kontrollierten Umgebung. Haupt- und Nachunternehmer sind am optimistischsten.
Wo im Bauprozess entstehen Fehlerkosten?
In der Umfrage sehen 54% der Teilnehmer die Fehlerkosten vor allem in der Ausführungsphase entstehen, 32% in der Entwurfs- und Vorbereitungsphase. Laut ABN AMRO lässt sich ein Teil dessen, was in der Ausführung schiefgeht, auf Fehler in der Vorbereitung zurückführen. Zeitdruck ist die am häufigsten genannte Ursache, schlechte Arbeitsvorbereitung die zweite, gefolgt von Fehlern und schlechter Kommunikation auf der Baustelle.
Je Phase sind die Muster gut zu erkennen:
Kalkulation und Ausschreibung. Unklare oder falsche Pläne führen zu falschen Aufmaßen und Mengen. Unvollständige oder veraltete Preisinformationen in der Kalkulation führen zu vergessenen Kostenpositionen, die später als Verlust oder als Streit über Nachträge zurückkommen.
Arbeitsvorbereitung. Materialentscheidungen, die erst während der Ausführung statt vorab getroffen werden, zu wenig Voruntersuchung zu Genehmigungen, Bestand oder Baugrund, und mündliche Absprachen über Änderungen, die nirgends festgehalten werden. Letzteres ist eine klassische Quelle für spätere Diskussionen über Nachträge.
Übergabe zwischen Systemen. Kalkulation, Arbeitsvorbereitung und Ausführung arbeiten oft in getrennten Systemen, die nicht miteinander sprechen. Das erzeugt doppelte Arbeit, und bei jedem Abtippen kann sich ein Fehler einschleichen. Dieser Punkt stammt nicht aus der Umfrage, sondern ist unsere eigene Beobachtung aus dem Verbinden von Unternehmenssystemen. Wie Sie das angehen, lesen Sie auf unserer Seite zu Schnittstellen.
Ausführung auf der Baustelle. Poliere und Bauleiter arbeiten manchmal mit einem veralteten Planstand, weil die letzte Revision nicht rechtzeitig weitergegeben wurde. Unter Zeitdruck wird schneller angenommen als nachgefragt.
Der rote Faden: Informationen, nicht das Bauwerk
Bei fast jeder Ursache kehrt dasselbe Grundproblem zurück: Informationen, die nicht zur richtigen Zeit bei der richtigen Person sind. Ein veralteter Plan, eine mündliche Absprache, die nirgends steht, eine Kalkulation, die nicht zu den tatsächlichen Ausgaben passt. Es sind Varianten eines Informationsproblems, nicht des Bauwerks selbst.
Das macht Fehlerkosten auch beeinflussbar. Wenn Kalkulation, Planung, Einkauf und Ausführung aus derselben Quelle arbeiten, verschwindet ein Teil der Ursachen. Das beginnt mit einer Datenplattform, in der Projektdaten einmal richtig erfasst werden, und mit Systemintegration, damit niemand mehr abtippen muss. Was getrennte Systeme ein Unternehmen allgemein kosten, lesen Sie in unserem Beitrag zu den versteckten Kosten getrennter Systeme.
Was KI daran ändern kann und was nicht
KI nimmt den Zeitdruck nicht weg und macht eine schlechte Arbeitsvorbereitung nicht von selbst gut. Was KI kann: das Lesen und Abtippen übernehmen, bei dem sich Fehler einschleichen. Etwa ein Leistungsverzeichnis auf vage oder widersprüchliche Positionen prüfen, Änderungen aus E-Mail und Messenger beim richtigen Projekt festhalten und dem Kalkulator einen begründeten Ausgangspunkt geben statt eines leeren Blatts. Der Mensch prüft und entscheidet weiterhin.
Was das konkret für Bauunternehmen und Installationsbetriebe bedeutet, lesen Sie auf KI im Bauwesen. Warum KI im Bau erst jetzt ankommt, erklärt unser Beitrag zum digitalen Rückstand der Baubranche.
Quellen
Häufig gestellte Fragen
Was sind Fehlerkosten im Bau?
Kosten, die während eines Bauprojekts durch Fehler, Missverständnisse oder fehlende Informationen entstehen, nicht durch das Bauwerk selbst: Nacharbeit, Verzögerungen, doppelte Arbeit und Streit über Nachträge.
Wie hoch sind die Fehlerkosten im Bau im Durchschnitt?
Einen exakten Durchschnitt gibt es nicht. In einer niederländischen Umfrage der ABN AMRO aus dem Jahr 2019 unter 151 Teilnehmern aus der Bau- und Immobilienbranche schätzen 39% ihre eigenen Fehlerkosten auf 5% des Umsatzes oder mehr, 9% auf 8% oder mehr. Das sind Selbsteinschätzungen, keine branchenweite Messung.
Warum schätzen Installationsbetriebe ihre Fehlerkosten höher ein als Hauptauftragnehmer?
In der niederländischen Umfrage schätzen 53% der Installationsbetriebe ihre Fehlerkosten auf über 5%, während 67% der Hauptauftragnehmer unter 5% bleiben. Laut ABN AMRO arbeiten Installationsbetriebe oft spät im Bauprozess, sodass sich Fehler und Verzögerungen früherer Beteiligter bei ihnen häufen, und die Technik, die sie einbauen, wird immer komplexer.
In welcher Phase des Bauprozesses entstehen die meisten Fehlerkosten?
Von den Teilnehmern der Umfrage der ABN AMRO sehen 54% die Fehlerkosten vor allem in der Ausführungsphase entstehen, 32% in der Entwurfs- und Vorbereitungsphase. Ein Teil dessen, was in der Ausführung schiefgeht, beginnt in der Vorbereitung: falsche Pläne, zu spät getroffene Entscheidungen und Absprachen, die nie festgehalten wurden.
Was ist die wichtigste Ursache für Fehlerkosten?
Zeitdruck wird am häufigsten genannt, gefolgt von schlechter Arbeitsvorbereitung und danach Fehlern und schlechter Kommunikation auf der Baustelle.


